Fischerjahr
2003
Die Nacht vom 8. auf den
9. November 2003 wollte ich wieder einmal am Stausee der
Fischenz Bremgarten verbringen. Die von mir befischte Stelle
ist nur 5 Minuten von meiner Wohnung weg. Also hingefahren,
das Tackle ausgeladen und 200-300 Meter durch einen mühsamen
Schilfweg geschleppt. Als alles aufgestellt und die beiden
Köder plaziert waren, habe ich es mir erstmal gemütlich
gemacht und bin in meinen Stuhl gesessen und habe über
das Fischerjahr 2004 nachgedacht. Im „Etang de la
goutte Poinsotte“, einem Privatsee in Frankreich,
hatte ich 61 Karpfen, davon 7 zwischen 30 – 38 Pfund
gefangen. Das Schönste war ein Run an allen 3 Ruten
innerhalb einer Minute. Obwohl ich alleine war, hab ich
alle 3 Fische gekriegt (19-, 34- und 36 Pfund). Was das
Fischen in der Schweiz betrifft, habe ich im ersten Halbjahr
die Altwässer der Fischenz Bremgarten befischt. Dies
wurde mit ein paar Fischen belohnt, darunter im März
bei 0 Grad ein alter Bekannter, ein Spiegler mit 31 Pfund
den ich damit zum 11 Mal gefangen hatte. Das zweite Halbjahr
wollte ich ausschliesslich den Stausee der Fischenz Bremgarten
befischen, da sich in diesem Jahr die Fischereibestimmungen
in 2 wesentlichen Punkten geändert hatten. Erstens
darf im Stausee neu mit 2 statt 1 Rute geangelt werden und
zweitens dürfen mit dem Auto bis jetzt gesperrte Strassen
befahren werden. Schon in der ersten Nacht fing ich einen
Fisch im Staussee, aber es sollte nicht immer so bleiben.
Ich fing zwar immer wieder Fische, musste aber auch etliche
„Blanks“ in Kauf nehmen. Insgesamt fing ich
bis zu diesem Zeitpunkt 8 Fische zwischen 12 – 18
Pfund, davon 7 Schuppis und 1 Spiegler. Da der Stausee inzwischen
ca. 30 Jahre besteht und der Bestand sicher nicht riesig
ist, musste es sicher auch grössere Karpfen geben.
Vor ca. 10 Jahren wurde an der Brücke in Rottenschwil
ein über 39 pfündiger Spiegler gefangen, der leider
in den Fischhimmel geknüppelt wurde. Nach Beendigung
meiner Gedankengänge habe ich noch ein wenig gelesen
und mich am 8 Uhr schlafen gelegt.
Am 11h40 weckten mich ein
paar Peeptöne. Ich schälte mich aus dem warmen
Schlafsack und ging zur Rute. Was ich befürchtet hatte,
war leider eingetroffen. Ein Döbel (Alet) hatte es
sich an meinem Boilie genüsslich getan. Döbel
und seltener Barben sind die üblichen Beifänge
im Stausee. Nach dem Platzieren der Rute ging es wieder
ins Reich der Träume. Um 03h45 riss mich ein schriller
Dauerton aus dem Schlaf. Die Umgebung war gespenstig, eiskalt
und voller Nebel. Ich nahm die Rute und straffte die Schnur
mit einem leichten Ruck. Ein eingentliches Anschlagen praktiziere
ich seit Jahren nicht mehr, vor allem seit ich mehrheitlich
mit geflochtener Schur angle.Es folgte eine Flucht von ca
10 – 15 Meter. Bei den Schuppies um die 15 pfund sind
in einer Anfangsphase 30 Meter Fluchten üblich. Bald
merkte ich, dass ich es mit einem schwereren Exemplar zu
tun hatte. Er machte zwar keine langen Fluchten, zog aber
stur seine Kreise am Grund des Stausees. Ich drillte in
ziemlich hart, was ich in Ufernähe wegen Ausschlitzgefahr
nicht gerne mache. Ich musse aber um das Holz am Grund und
wollte den Drill möglichst schnell beenden. Nach einer
knappen Viertelstunde war es dann soweit. Der Fisch lag
kescherbereit an der Oberfläche. Ich sah, dass es ein
schöner Fisch war, über die wahren Dimensionen
war ich mir jedoch nicht im Klaren. Jetzt kamen aber die
Schwierigkeiten. Der Kescher war steifgefrohren, da die
Temperatur im Minusbereich lag. Also zuerst den Kescher
ins Wasser zum auftauen. Wegen des tiefen Wasserstandes
lag der Karpfen ca. 1 Meter unter mir. Ausserdem täuschte
mich der dicke Nebel und die angelaufene Brille. 2 Mal kescherte
ich daneben und so kam es, wie es kommen musste. Der Fisch
wurde wieder lebendig und schwamm in die Schnur der zweiten
Rute. Ich nahm die zweite Rute auf, konnte aber das Verhedern
der beiden Schnüre nicht verhindern. Deshalb hatte
ich nur eine Chance. Sofort den Bügel der zweiten Rute
auf und die Rute wieder hinlegen. Ich hatte Glück.
Nach 5 Minuten bekam ich meine zweite Chance und nutzte
sie. Beim herausheben des Spiegelers merkte ich, dass er
viel schwerer war, als ich zuerst geglaubt hatte. Beim Wiegen
fielen mir fast die Augen aus den Kopf. Nach Abzug des Wiegesacks
wog er immer noch 47 Pfund und mass 96 cm. Damit hatte ich
meine „Personal best“ der aus Frankreich stammte
um ein Pfund übertroffen. Ich hätte nie im Traum
daran gedacht einen 47 Pfünder in der Schweiz zu fangen.
Nachdem ich den Fisch eingesackt hatte, ging ich noch ein
wenig schlafen, was mir aber erst nach ca. einer Stunde
gelang. Am 10 Uhr rief ich meine Frau an, um sie zu bitten,
mit der Spiegelreflexkamera vorbei zu kommen. Gleichzeitig
machte ich mich auf den Weg zu meinen Angelkollegen Rico
Meier der ca. 700 Meter entfernt angelte. Ich bat ihn, mit
mir an meinen Angelplatz zu kommen, um mit seiner Digitalkamera
ein paar Fotos zu schiessen. Er fragt nach der Grösse
des Fisches. Ich sagt 23 ½, wohlwissend dass damit
23 ½ Pfund und nicht 23 ½ Kilo meinen würde.
Er gratulierte mir, dass ich die 20 Pfund Marke im Stausee
übertroffen hatte. Als wir an meiner Angelstelle angelangt
waren, habe ich den Karpfensack aus dem Wasser gezogen und
auf die Abhakmatte gelegt. Ihm blieb fast die Spucke weg,
als er den Fisch sah und seinen kleinen Irrtum bemerkte.
Nachdem er und meine Frau den Karpfen mit Ihren Fotokameras
ein paar Mal geknipst hatten wurde er sorgsam in sein Element
zurückgesetzt.
Verwendetes Angelmaterial:
3 ½ lbs. Shimano-Rute „Antares“, Shimano
Big-Baitrunnerrolle “Long Cast”, 0.17 Fireline,
Safty Bolt Rig von Nash, 140 gr. Korda Blei, Snake-Bite
Stiff Rig von Kryston, Owner-Flyliner-Haken Nr. 2, Köder:
Starbait boilie: Mais Crush Yellow Dream 20 mm.
Noch ein paar Anmerkungen
betreffend der Fischenz Bremgarten, falls jemand dort mal
angeln möchte. Die Fischenz Bremgarten gehört
der Ortsbürgergemeinde Bremgarten, und reicht von Jonen
bis ins Gnadenthal. Jahres-, Monats- und Tageskarten kann
von allen Personen bezogen werden. Das Gebiet umfasst die
Reuss, den Staussee und ca. 6 Altwässer. In den Altwässern
und in der Reuss darf mit einer Rute geangelt werden. Im
Stausee dürfen 2 Ruten eingesetzt werden. Nachtfischen
ist überall gestattet, jedoch dürfen keine „Edelfische“
in der Nacht behändigt werden. Angelschirm ist kein
Problem. Vorallem in den Naturschutzzonen des Stausses wird
ein Umhang des Schirmes von Aufsehern des „Naturschutzes“
nicht toleriert. Deshalb nur in der Nacht mit Umhang angeln.
Anfüttern wäre eigentlich verboten.
All the best for 2004
Petar Joncic
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